Imago. Anna Grzelewska und Zuza Krajewska

Insekten im Stadium Imago sehen wie ausgewachsene Exemplare aus, sind aber kleiner. Imago sind also keine Larven oder Puppen mehr, sie durchlaufen keine Verwandlungen mehr. Sie sind aber gleichzeitig auch keine ausgewachsenen Exemplare, im vollen Sinne dieser Bedeutung.

 

Diese zoologische Metapher passt gut zu der langjährigen Serie „Julia Wannabe“. Die Titelheldin ist die Tochter von Anna Grzelewska. Das über mehrere Jahre lang fotografierte Mädchen durchläuft vor unseren Augen eine Metamorphose. Aus dem goldhaarigen Engel, der im Bett der Eltern einschläft, wird eine schöne, sich ihrer Weiblichkeit bewusste Jugendliche. Dieser Weg der Entwicklung ist gepflastert mit Tränen, Scham vor den Blicken der Anderen, Resignation, Experimenten mit dem eigenen Aussehen und Träumen. Die Titelheldin verwandelt sich aus einem nichtselbstständigen in eine unabhängige, ihrer eigenen Werte bewussten Person, die in Kürze ihr Elternhaus verlassen wird. Anna Grzelewska bei dem fotografieren konzentrierte sich auf den Moment des Wandels im Leben jedes Menschen, voller Experimente, Fehler und Unschlüssigkeiten.

 

Die von Zuza Krajewska porträtierten Jungen sind ungefähr im selben Alter wie Julia. Sie wohnen aber nicht wie Julia in Häusern mit ihren Eltern und Geschwistern, sondern in einer Besserungsanstalt. Wie sind sie dorthin gekommen? Durch Experimente mit dem Erwachsenenwerden und dem Nichteinhalten von gesellschaftlichen Normen. Die Besserungsanstalt soll sie wieder in die Gesellschaft integrieren, ihnen beibringen wie man unter Menschen funktioniert.

 

Die Porträts, die von Zuza Krajewska stammen, sind voller Dualität. Die von den Bildern auf uns schauenden Personen wirken auf der einen Seite kindlich, unbeholfen und unschuldig, auf der anderen Seite aber auch erschreckend erwachsen und durchs Leben gezeichnet. Auf den von Gesichtsbehaarung entfernten Gesichtern erscheint ein schelmisches Lächeln eines typischen Unruhestifters, ein anderes Mal eine Grimasse mit eingerissenen, Lippen die eine absolute Hartnäckigkeit zeigen. Die Augen eines Jungen leuchten auf einem Foto voller Enthusiasmus und Lebensfreude, auf einem anderen schaut uns ein Jugendlicher mit dem Blick eines Menschen an, der „schon alles gesehen hat“.

Anna Grzelewska, Serie Julia Wannabe, 2015

Zuza Krajewska, Adrian and Andrzej-twins, 2016

Anna Grzelewska, Serie Julia Wannabe, 2015

Zuza Krajewska, Zemo and Bajka, 2016

Zuza Krajewska, Mateusz And His Birds, 2016

Imago. Anna Grzelewska und Zuza Krajewska

Insekten im Stadium Imago sehen wie ausgewachsene Exemplare aus, sind aber kleiner. Imago sind also keine Larven oder Puppen mehr, sie durchlaufen keine Verwandlungen mehr. Sie sind aber gleichzeitig auch keine ausgewachsenen Exemplare, im vollen Sinne dieser Bedeutung.

 

Diese zoologische Metapher passt gut zu der langjährigen Serie „Julia Wannabe“. Die Titelheldin ist die Tochter von Anna Grzelewska. Das über mehrere Jahre lang fotografierte Mädchen durchläuft vor unseren Augen eine Metamorphose. Aus dem goldhaarigen Engel, der im Bett der Eltern einschläft, wird eine schöne, sich ihrer Weiblichkeit bewusste Jugendliche. Dieser Weg der Entwicklung ist gepflastert mit Tränen, Scham vor den Blicken der Anderen, Resignation, Experimenten mit dem eigenen Aussehen und Träumen. Die Titelheldin verwandelt sich aus einem nichtselbstständigen in eine unabhängige, ihrer eigenen Werte bewussten Person, die in Kürze ihr Elternhaus verlassen wird. Anna Grzelewska bei dem fotografieren konzentrierte sich auf den Moment des Wandels im Leben jedes Menschen, voller Experimente, Fehler und Unschlüssigkeiten.

 

Die von Zuza Krajewska porträtierten Jungen sind ungefähr im selben Alter wie Julia. Sie wohnen aber nicht wie Julia in Häusern mit ihren Eltern und Geschwistern, sondern in einer Besserungsanstalt. Wie sind sie dorthin gekommen? Durch Experimente mit dem Erwachsenenwerden und dem Nichteinhalten von gesellschaftlichen Normen. Die Besserungsanstalt soll sie wieder in die Gesellschaft integrieren, ihnen beibringen wie man unter Menschen funktioniert.

 

Die Porträts, die von Zuza Krajewska stammen, sind voller Dualität. Die von den Bildern auf uns schauenden Personen wirken auf der einen Seite kindlich, unbeholfen und unschuldig, auf der anderen Seite aber auch erschreckend erwachsen und durchs Leben gezeichnet. Auf den von Gesichtsbehaarung entfernten Gesichtern erscheint ein schelmisches Lächeln eines typischen Unruhestifters, ein anderes Mal eine Grimasse mit eingerissenen, Lippen die eine absolute Hartnäckigkeit zeigen. Die Augen eines Jungen leuchten auf einem Foto voller Enthusiasmus und Lebensfreude, auf einem anderen schaut uns ein Jugendlicher mit dem Blick eines Menschen an, der „schon alles gesehen hat“.